Über Almut Flentje:

Glaskunst ist mehr als aufwendig gefärbte Vasen oder Schalen

Beim Thema Glaskunst denken die meisten an aufwendig gefärbte Vasen oder Schalen. Skulpturen aus dem faszinierend transparenten Stoff sind gegenwärtig eher selten - weshalb die Objekte von Almut Flentje um so mehr auffallen. In manchen von ihnen scheinen Figuren oder surreale Landschaften eingeschlossen. Andere erzählen assoziative Geschichten. Die Künstlerin, die seit 1999 in einem Atelier im Künstlerhof Frohnau arbeitet, hat mit Keramik begonnen. Das erklärt, weshalb ihre häufig auf schmiedeeisernen Füßen stehenden Arbeiten wie von Hand geformt aussehen und auch keramische Details weiterhin vorkommen. Selten stellt Almut Flentje die fließenden Eigenschaften von Glas in den Mittelpunkt, stattdessen experimentiert sie immer wieder mit den Grenzen ihres Materials: Schmilzt Glas zu Fäden, formt es zu Tropfen, gießt Draht und Farbsprenkel ein. Schließlich spielt Licht eine wichtige Rolle. Es fängt sich in den Glaskörpern und lässt sie von innen leuchten. Wie komplex diese Prozesse sind, kann man erahnen, weil jeder Schritt wie in einem Kristall eingefroren wirkt.

Christiane Meixner u. Marc Leijendekker, „Lust am Experiment – In einer gemeinsamen Ausstellung im Kunstforum der Berliner Volksbank zeigen Gestalter aus Paris und Berlin ihr Können“, in: Der Tagesspiegel, 3. April 2014, S. 24-25.

Archetypisch anmutend

Allein ihre Motivwahl spricht Bände: Schiffe immer wieder, in schönes Glas versenkte Intarsienstrukturen nach dem Vorbild des Bernstein, kunstvoll geflochtener Draht, hier geht es wahrlich „archetypisch" zu. 'Glas & Keramik Art' ist ihre persönliche Antwort auf die vielfältigen Reise-Impressionen, weltweit und lange erfahren. Farbenspiele, Licht-Erinnerungen ohne Titel. Es sind sehr schöne Arbeiten dabei, 'Coming home' etwa, vier Figuren an einer „Leine", wobei sie die seltene „pâte de verre"-Technik einsetzt, wie andernorts auch. Sie experimentiert gern mit Geduld und Neugier, aber gerade deshalb darf man sich nicht in die Vielfalt der Techniken verlieben.

Gerold Paul, „Wächsern, gläsern, elliptisch - gelungenes Zusammenspiel: Malerei, Glas und Schmuck in der Galerie Töplitz“, in: Potsdamer Neueste Nachrichten, 6. Oktober 2008, S. 26.

Unerschöpflicher Wille zum Gestalten

Almut Flentje, die mit Glas und Keramik gleichermaßen experimentiert, geht von der Beschaffenheit und den Eigenschaften der Werkstoffe aus, mit denen sie sich in einer unnachgiebigen Intensität und immer neuen Techniken beschäftigt. Sie interessiert sich für die Transparenz von Glas und nimmt das Thema auch inhaltlich auf. Folgt man den Beschreibungen verschiedener Arbeitsprozesse, insbesondere den der hochkomplizierten Brennvorgänge, kann der Eindruck entstehen, dass Glas etwas Lebendiges ist, das man verstehen muss. Almut Flentje hat einen unerschöpflichen Willen zum Gestalten. 'Orte der Kraft' fasziniert durch seine einfache, fast archaisch anmutende Formgebung und durch die Spannung zwischen dem Dunkel-Kompakten der Keramik, das wie ein Sockel für die Glasbekrönung fungiert und dem Hell-Transparenten des Glases. Die Arbeit hat etwas Geheimnisvolles, Anziehendes wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Man vermutet Geschichten. Es könnte sich auch um ein Heiligtum oder ein Kultobjekt handeln. Keiner weiß es.

Cornelia Gerner, „Kunst und angewandte Kunst - Zu den Arbeiten von Almut Flentje, Gudrun Weweler und Christine Sinner“, in: Ausrichtungen, Ausstellungskatalog Schwartzsche Villa, Berlin, Berlin 2002, o.S.

Indianischer Kosmos

Eingefroren in Glas, und doch scheinen sie zu leben, die wie Urzeit-Schalentiere anmutenden Wesen von Almut Flentje. Von den Objekten geht die selbe Faszination aus wie von einem Fossil in Bernstein. Alles ist im Detail zu erkennen, aber bereits geraume Zeit erstarrt. Seit 1998 beschäftigt sich die Künstlerin mit Glaseinschmelzungen. Dabei entstehen Bildtafeln, die ihre Wirkung im hindurchscheinenden Licht entfalten. Immer haftet ihnen etwas Archetypisches an. Wie ein indianischer Kosmos wirkt das Werk mit dem Titel 'Auf den Spuren der Vergangenheit'. Immer öffnet Almut Flentje Gedankenräume. Da sammelt sich Glas wie Tau in Glaskokons, tropft aus dem Bild oder wird kostbar in Raku-Keramik gefasst.

Jack Rodriguez, „Grenzgängerei“, in: Neues Deutschland, 14. Juni 2002, S. 17.
http://www.neues-deutschland.de

Auszeichnungen:

Belobigung beim 5. Immenhäuser Glaspreis 2012, Preisverleihung, Fotos von der Ausstellung)

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen:

Ernsting Stiftung Alter Hof Herding, 2015, mehr

Kataloge:

Dagmar Ruhlig-Lühnen, GLAS 2015 - 6. IMMENHÄUSER GLASPREIS, Wettbewerb zur zeitgenössischen Glaskunst in Deutschland, Immenhausen, 2015
Design & Artisanat d'Art - Berlin et Paris Exposent leurs Créateurs, Hôtel de Ville de Paris, Chambre de Métiers et de l'Artisanat de Paris (Hrsg.), 2015, Katalog
Handwerk & Design - Berlin empfängt Paris, Ausstellung im Rahmen der Tage des Europäischen Kunsthandwerks 2014, Handwerkskammer Berlin und Kunstforum der Berliner Volksbank (Hrsg.), 2014, Katalog
Dagmar Ruhlig-Lühnen, GLAS 2012 - 5. IMMENHÄUSER GLASPREIS, Wettbewerb zur zeitgenössischen Glaskunst in Deutschland, Immenhausen, 2012
Synopse 06, GEDOK Berlin, Willy-Brandt-Haus, Berlin, 2006
4. Internationale Ausstellung GLASPLASTIK + GARTEN, Munster, 2002
Ausrichtungen, Galerie Schwartzsche Villa, Berlin, 2002

Portraits / Literatur:

Sabine Loeprick, "Ein Universum aus Glas", in: FORUM - Das Wochenmagazin, Berlin, 15 (2016), S. 110-111. PDF, Online
Burkhard Lück, "Almut Flentje, Glas & Keramik Art, Filmportrait, 2010
GEDOK Berlin, Almut Flentje, Glas- und Keramikkünstlerin, filmisches Kurzportrait, 2010
GLASBRÜCKE Berlin-Brandenburg
Portrait in der Abendschau (RBB) vom 31.05.2009
Gustav Weiß, Keramik und Glas - Verbindungen von verschwenderischer Schönheit, NEUE KERAMIK 8 (2001), S. 456-459